Mobility News
18.10.2023
Philip Kneissler, CEO belmoto

Philip Kneissler, CEO belmoto

Die große Freiheit: Mobilität für Mitarbeitende neu denken und anbieten

Hybrides Arbeiten, unterschiedliche Bedürfnisse von Mitarbeitenden und die Verpflichtung zur Nachhaltigkeit verändern den Anspruch an Mobilitätsleistungen von Arbeitgebern. Wie sollen Unternehmen dieser Herausforderung im Rahmen der Unternehmensmobilität begegnen? Ein Gespräch mit Philip Kneissler, CEO von belmoto, über die Flexibilisierung von Firmenmobilität, Downsizing und neue Chancen, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.

Wo sehen Sie als Mobilitätsdienstleister die größten Herausforderungen für das zukünftige Mobilitätsangebot von Unternehmen?

Kurz gesagt: im effektiven Zusammenspiel von Angebot, Nachfrage und regulatorischen Auflagen. Es gilt, ökologische, ökonomische und soziale Aspekte sinnvoll in Einklang zu bringen, damit sowohl Nachhaltigkeitsziele als auch Bedürfnisse von Mitarbeitenden erfüllt sind und dabei gleichzeitig kostenoptimiert gehandelt wird. Dabei helfen Angebote, die unterschiedlichste Fortbewegungsmittel, Laufzeiten und Kombinationsmöglichkeiten für Mitarbeitende enthalten. Der Leasingwagen mit einer Vertragsbindung von zwei oder drei Jahren ist nur noch eine von mehreren Optionen. Die Unternehmen müssen nun über den Tellerrand schauen und im Kontext von Mobilität neue Anreize, Services und Benefits schaffen.

Das klingt nach einer betrieblichen Mobilitätswende.

Genau das ist derzeit die Aufgabenstellung für Unternehmen! Die Mobilität muss einerseits an die Anforderungen des Klimaschutzes angepasst werden, andererseits an die sich wandelnden Mobilitätsbedürfnisse von Mitarbeitenden. Das erfordert einen ganzheitlichen Blick auf das Thema Mobilität im Unternehmen: In welcher Frequenz und mit welchen Transportmitteln wollen Mitarbeitende ins Büro kommen? Wie lässt sich der CO2-Fußabdruck der Flotte reduzieren? Mit welchen Mobilitätsangeboten können Arbeitgeber punkten und dabei noch Kosten und Verwaltungsaufwand reduzieren? Wo sind Kooperationen oder Outsourcing sinnvoll?

Was kennzeichnet für Sie ein zukunftsfähiges Mobilitätsmanagement?

Ein zukunftsfähiges Mobilitätsmanagement ist selbstbestimmt, flexibel, kostenoptimiert und nachhaltig. Es ist modular aufgebaut, berücksichtigt Mikromobilität und bietet vom Deutschlandticket oder Fahrrad-Leasing bis zum elektrifizierten Dienstwagen umweltfreundliche Alternativen zur bisherigen Mobilität. Es folgt einem innovativen Mobilitätskonzept und deckt sämtliche Aspekte rund um Mobilität ab: Administration, Beschaffung, Betreuung und Beratung genauso wie Kommunikation, Prozessoptimierung und Reporting. Wenn dafür Know-how und Kapazitäten im Unternehmen fehlen, sind erfahrene Mobilitätsdienstleister sinnvolle Sparringspartner.

Ein innovatives Mobilitätskonzept ist also Grundlage für ein zukunftsfähiges Mobilitätsmanagement. Können Sie das genauer beschreiben?

Gern. Es beginnt mit der Zielsetzung, die sich an den realen Bedürfnissen von Mitarbeitenden und dem zur Verfügung stehenden Budget orientiert, sowie dem Festlegen einer Strategie, die sich aus Ziel und Zielgruppen ergibt. Dann folgt eine Analyse der IST-Situation im Unternehmen: Wo stehen wir derzeit mit unserer Mobilität? Wo sind Pain Points und Herausforderungen mit Blick aufs angestrebte Ziel? Was braucht es zur Optimierung? Mit flexiblen und individuellen Lösungen, die auf einem Mobilitätsbudget beruhen, ermöglichen Unternehmen ihren Mitarbeitenden größtmögliche Freiheit bei der Fortbewegung. Denn eines dürfen wir nicht vergessen: Bei moderner Firmenmobilität geht es neben der Erfüllung von Nachhaltigkeitskriterien und Effizienz auch um die Attraktivität als Arbeitgeber im Kampf um Fach- und Führungskräfte.

Wie sehen denn flexible und individuelle Lösungen für Mitarbeitende konkret aus?

Das kann ein Auto Abo sein, das zum Beispiel nur während der Wintermonate in Anspruch genommen wird, weil der Mitarbeitende während der Sommermonate lieber mit dem Rad zur Arbeit kommt, oder das Nutzen von Sharing-Angeboten, weil das hybride Arbeiten ein eigenes Firmenfahrzeug überflüssig macht. Es kommt auf die persönliche Lebenssituation und die Haltung des Mitarbeitenden an, welche Lösung sich für ihn oder sie anbietet. Deshalb sind starre Strukturen im Fuhrparkmanagement nicht mehr zeitgemäß. Es geht im Kern um einen unkomplizierten Zugang zu individueller, vom Arbeitgeber finanzierter Mobilität, die eigenen Bedürfnissen und unternehmerischen Anforderungen gleichermaßen gerecht wird. Die Beweglichkeit gilt dabei übrigens für alle: Auch Mitarbeitende sollten sich hier flexibel zeigen, wenn es ums Loslassen alter Konzepte geht. „Das war schon immer so“ ist heute kein schlag- und vor allem kein tragfähiges Argument mehr.

Wie können Mitarbeitende den Weg zur CO2-Neutralität unterstützen?

Zum Beispiel, indem sie von einem Firmenfahrzeug mit Verbrennermotor auf einen Elektroantrieb umsteigen, künftig ein kleineres Modell fahren oder nach Möglichkeit alternative Mobilitätslösungen wie das Fahrrad oder das Deutschlandticket in Betracht ziehen. Das alles hilft, die CO2-Emissionen zu reduzieren und so dazu beizutragen, die Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens zu erreichen. Wir alle müssen heute unsere Mobilität mit den Anforderungen an den Klimaschutz in Einklang bringen. Ein weit gefasstes Mobilitätsangebot mit Kombinationsmöglichkeiten schafft entsprechende Anreize für Mitarbeitende. Sie können sich hier aus verschiedensten Optionen ihr individuelles Mobilitätspaket konfigurieren.

Als Mobilitätsdienstleister arbeiten Sie mit vielen Unternehmen zusammen. Haben Sie ein Best Practise-Beispiel für die Modernisierung und Umstrukturierung eines Fuhrparkmanagements?

Für die D-A-CH-Standorte eines weltweit agierenden IT-Dienstleisters bringen wir bedarfsorientierte Mobilitätslösungen in Einklang mit den Unternehmenszielen „Maximale Arbeitgeberattraktivität“ und „CO2-Neutralität bis 2030“. Ein Pain Point war ein autozentriertes, unflexibles Mobilitätsangebot mit dezentraler Steuerung, hinzu kamen steigende Reportinganforderungen und eine veränderte Nachfrage. Im Rahmen unserer unabhängigen Mobilitätsberatung haben wir gemeinsam mit dem Unternehmen Ziele definiert, Strategien entwickelt und Maßnahmen umgesetzt. Das brachte große Veränderungen mit sich: Alle Mitarbeitenden haben nun Zugang zu verschiedenen Mobilitätsoptionen, ob mit oder ohne bisherigen Dienstwagenanspruch. Dafür haben wir ein Mobilitätsbudget für Mitarbeitende eingeführt, die Dienstwagenrichtlinie zur Mobilitätsrichtlinie weiterentwickelt, die Administration verschlankt, die Betreuung aus einer Hand organisiert und so schrittweise ein innovatives Mobilitätskonzept umgesetzt, mit dem alle zufrieden sind.

Wo wird sich Unternehmensmobilität noch weiter verändern?

Wir glauben, dass das Flottenmanagement und das klassische Business Travel-Segment innerhalb eines Unternehmens künftig Hand in Hand gehen. Der Trend geht von einer Car und Travel Policy hin zu einer Mobility Policy, die den Nachhaltigkeitskriterien genügen sollte, ein Aspekt der mehr und mehr auch für Geschäftsreisen wichtig wird. Der Bedarf nach Alternativen zum Dienstwagen oder zum Flugzeug für die Organisation einer Geschäftsreise wird steigen. Hier müssen nicht nur die gewählten Transportmittel, sondern auch interne Prozesse und Abläufe angepasst werden. Wir brauchen also holistische Lösungen für eine betriebliche Mobilitätswende.